Christos-Erifopoulos-HSG-Konstanz Herzlich willkommen, kalos irthes, Christos! Foto: Michael Elser

Die HSG Konstanz kann ihren ersten Neuzugang für die kommende Saison vermelden: Mittelmann Christos Erifopoulos, mit 189 Toren in nur 25 Spielen bundesweiter Drittliga-Torschützenkönig der letzten Saison über alle vier Staffeln der 3. Liga hinweg, aktueller deutscher Junioren-Nationalspieler und neunmal mit Frisch Auf Göppingen in der 1. Bundesliga aktiv. Das 21-jährige Toptalent erhält zunächst einen ligaunabhängig geltenden Zweijahresvertrag bis 30. Juni 2023.

 

Erste Worte Ball und Tor

 

Handball ist das bestimmende Thema im Hause Erifopoulos. Der Vater spielte Handball, Bruder Panagiotis bei Bietigheim in der 1. Bundesliga und für die griechischen Auswahlmannschaften, der andere Bruder in Kirchzell. Der Jüngste heißt Christos und ist der mit der rasantesten Handball-Karriere. 2000 in Erlenbach am Main geboren, eiferte Christos schnell seinen großen Brüdern nach. Als Zweijähriger war er schon mit in der Halle – und der kleinen harzigen Kugel schnell verfallen. „Mein erstes Wort war Ball oder Tor“, grinst Erifopoulos. Ein paar Jahre später ging er in die Junioren-Akademie des TV Großwallstadt. Hier wurde er als 18-Jähriger nicht nur mit sagenhaften 223 Treffern in 22 Partien A-Jugend-Bundesliga-Torschützenkönig, sondern kam per Zweifachspielrecht bereits mit 17 regelmäßig erfolgreich in der 3. Liga der Herren in Bruchköbel zum Einsatz. Im Jahr darauf wurde er so schon mit 18 Jahren in die 2. Bundesliga in die erste Mannschaft des TV Großwallstadt befördert und machte parallel weiter die Jugend-Bundesliga unsicher. Mit 19 Jahren folgte per Doppelspielrecht der nächste Schritt zu Frisch Auf Göppingen und dem TV Plochingen. Beim Drittligisten Plochingen traf der 1,80 Meter große und 83 Kilogramm schwere Spielgestalter 189 Mal in nur 25 Spielen bis zum Saisonabbruch – bundesweiter Bestwert unter allen 64 Drittligisten. Zudem trainiert er regelmäßig bei den Profis von Frisch Auf Göppingen mit und kam bislang neunmal zum Einsatz. Ein Tor gelang ihm in Minden, deren jeweils drei gegen die HSG Konstanz beim BGV-Cup und im Testspiel im Herbst. In der aktuellen Saison konnten in der 3. Liga lediglich vier Spiele ausgetragen werden. Erifopoulos nutze sie dennoch wieder für satte 30 Treffer beim Tabellendritten.

 

Schnelles Angriffsspiel und Führungsverantwortung

 

Kein Wunder, dass sich Sportchef André Melchert über den gelungenen Coup freut und große Stücke auf seinen neuen Rohdiamanten hält. „Christos ist ein extrem motivierter und ehrgeiziger Spieler“, sagt er. „Er macht das Angriffsspiel unglaublich schnell, viel Druck, wirft selbst sehr viele Tore, hat aber auch ein gutes Auge für den Kreis und die Rückraumspieler.“ Trotz seines jungen Alters soll der gebürtige Unterfranke, dessen Großeltern griechische Wurzeln haben, Führungsverantwortung übernehmen, als junger Spieler jedoch zugleich die nötige Zeit zur Weiterentwicklung bekommen. Melchert: „Dass er unbedingt vorwärtskommen möchte, merkt man.“

 

Kein 08/15

 

Mit Spielwitz, Kreativität, Dynamik und Schnelligkeit aber auch einem guten Wurfrepertoire wie für größere Verteidiger fiese Unterarmwürfe. Denn 08/15 ist eher selten bei Christos Erifopoulos, einem Mann für die besonders spektakulären Momente. Verantwortung übernehme er gerne, verrät er: „Und ich liebe die Kooperation mit dem Kreisläufer.“ In Konstanz möchte der Student der Wirtschaftswissenschaften sein Studium an der mit der HSG kooperierenden Exzellenzuniversität Konstanz fortsetzen und den nächsten Schritt in seiner vielversprechenden handballerischen Entwicklung machen. „Ich hatte sehr gute Gespräche mit André und finde das Gesamtkonzept super. Ich möchte mich nun gerne in der 2. Bundesliga etablieren und bin fest davon überzeugt, dass die HSG die Klasse mit dieser Truppe und diesen Spielern halten wird und ich mich hier noch besser entwickeln, das nächste Level, erreichen kann.“

 

Traum von der U21-Weltmeisterschaft im Sommer

 

Denn Christos Erifopoulos hat noch einen Traum vor seinem Wechsel in die größte Stadt am Bodensee. Mitte Februar findet der nächste Lehrgang der U21-Nationalmannschaft statt, zu dem er erneut eingeladen wurde. Ende Juni könnte die Junioren-WM in Budapest stattfinden, vielleicht auch mit HSG-Linksaußen Aron Czako für Gastgeber Ungarn. Vor seiner Entscheidung für Deutschland hatte der trickreiche Mittelmann, der beide Staatsbürgerschaften besitzt, zehn Länderspiele für das griechische Jugend-Nationalteam absolviert. „Ich möchte jede Saison besser werden“, so Erifopoulos, der nur „Hellas“ gerufen wird. „Ich freue mich schon, das junge HSG-Team kennenzulernen, die schöne Stadt und natürlich die „Schänzle-Hölle“ über die ich tatsächlich schon viel Positives gehört habe. Ich habe mir extra schon ein paar Videos angesehen. Eine echte Wand mit beeindruckender Stimmung.“ Er muss es wissen, denn in ihm schlummert großes südländisches Temperament. Er liebt das emotionale Spiel mit dem Publikum und pusht sich selbst so zu Höchstleistungen. Was ihn ebenfalls überzeugt hat: „Das schnelle, dynamische Spiel der HSG, mit Spielwitz und Kreativität. Das Tempospiel gefällt mir sehr, die HSG spielt einen guten Handball und ich denke ich passe da gut rein.“ Umso mehr vermisst der wendige Regisseur das Gefühl, in eine volle Halle einzulaufen. „Die Sehnsucht danach ist groß. Vor allem, wenn man so geile Fans hat wie die HSG.“ Die Leidenschaft für den Ball und die Tore ist noch genauso groß wie mit zwei Jahren. Ebenso wie die Verbindung zu Griechenland, wo die Familie eine Ferienwohnung besitzt, vor allem aber zur griechischen Küche. Wenn Mama Erifopoulos Moussaka kocht, ist Christos im siebten Himmel. „Sie kocht spitze, ich liebe das“, lacht der junge handballverrückte Mann. Nur Tore werfen und Siege feiern ist schöner.