Head Bundesliga mit Zertifikat farbig

bl saison

Berichte

Leader verlängert Vertrag – und befreit sich aus schwieriger Situation

Leader verlängert Vertrag – und befreit sich aus schwieriger Situation

97,5 Kilogramm Körpergewicht, verteilt auf 1,86 Meter. Eine imposante Erscheinung. Diese und die Ausstrahlung dieses Mannes sind nicht alltäglich. Simon Flockerzie hinterlässt immer einen bleibenden Eindruck. Auf und neben dem Feld. Der charismatische Kreisläufer mit Gardemaßen hat sich nun dazu entschieden, seinen Vertrag um zwei Jahre über die laufende Saison hinaus bei der HSG Konstanz zu verlängern. Damit gelang es der HSG, einen Leistungsträger und Leader langfristig an sich zu binden. Zusammen mit seinem kongenialen Partner Sebastian Groh, der kürzlich seinen Vertrag ebenfalls um zwei Jahre verlängert hat, verfügt die HSG Konstanz auf der Kreisläuferposition über eines der stärksten und besten Duos der Liga, das nun langfristig zusammen für die HSG Konstanz auflaufen wird.

 

„Simon ist ein Vorbild an Einsatzbereitschaft, Fleiß und Motivation“, umreißt HSG-Präsident Otto Eblen die Wichtigkeit und den Stellenwert des 28-Jährigen Bachelor- und Master Absolventen, „eine sowohl sportlich als auch menschlich enorm wichtige Personalie“. So setzte er sich nach seinem Wechsel im Oktober 2010 von HBW Balingen-Weilstetten an den Bodensee nicht nur als Spieler mit voller Leidenschaft für den Verein ein, sondern brachte sich von sich aus auch zusätzlich sofort im Management des Vereins ein. Viele neue Ideen und jede Menge Herzblut verhalfen dem Verein schnell zu einer positiven Entwicklung. Später wurde er auch noch zum Mannschaftskapitän bestimmt. Dabei wird schnell klar, dass Simon Flockerzie keine halben Sachen mag, diese waren noch nie sein Ding. Mithin führte er fortan Regie auf dem Spielfeld und setzte im Hintergrund auch in Sachen Marketing neue Akzente. Die Belohnung folgte bald, als sich die HSG Konstanz durch beständig starke Mannschaftsleistungen zum Ende der vergangenen Hinrunde ganz oben in der Tabelle der 3. Bundesliga wiederfand. Die Konstanzer Schänzlehalle war mit 1.400 Zuschauern mehrmals so gut gefüllt, wie seit Jahren nicht mehr. Schon geisterte „die 2. Bundesliga“ in der Region durch viele Gespräche beim Bäcker oder Supermarkt um die Ecke. Die HSG hatte sich als verschworenes Team, das technisch ansehnlichen Handball bot, wieder zurück in das Bewusstsein der Konstanzer gespielt.

 

Die Konstanzer Fans wissen dabei ganz genau, was sie an ihrem Sympathieträger haben. Für sie ist Simon Flockerzie einfach „Flocke“. Ein liebevoller Kosename, der bei jedem Spiel lautstark intoniert wird. Dann ist „Flocke“ in seinem Element, denn Handball bedeutet dem gebürtigen Weingartener viel, sehr viel. Vor und nach jedem Spiel kreisen seine Gedanken um den Handball und auch in der Familie und unter Freunden werden die vergangenen und kommenden Partien der HSG Konstanz fortwährend eingehend analysiert. Dabei war er in jungen Jahren ganz und gar nicht entschlossen, welchem Sport er sein Herz schenken sollte. Er war hin und her gerissen: Fußball oder Handball. Doch Mike Novakovic, kroatischer Nationalspieler und Jugendtrainer von Simon Flockerzie, machte ihm schnell klar, dass seine Liebe nur einem Sport gehören kann: „Willst du Handball oder Fußball spielen? Spielst du Handball, bist du am Montag im Training – sonst möchte ich dich nie wieder sehen“, beschreibt Simon Flockerzie das eindrückliche Schlüsselerlebnis im Jugendtraining. Seine darauf erfolgte Entscheidung für Handball bezeichnet er als goldrichtig, denn „es macht einfach immer unglaublich Spaß mit den Jungs zu spielen.“

 

Doch die Devise „volle Power“ führte den Leader und Leitwolf in eine schwierige Situation. Der „Fels in der Brandung“, so Otto Eben, hatte schweren Raubbau an seinem Körper betrieben. Voller Ehrgeiz und angetrieben von seinen sich selbst bewusst hochgesteckten Zielen, überhörte er eindeutige Signale seines Körpers. So hatte er sich im Spitzenspiel zum Abschluss der vergangenen Hinrunde – es ging vor vollem Haus um die Herbstmeisterschaft – selbst von einem Fußbruch nicht aufhalten lassen und wollte dem Team unbedingt helfen. In der Winterpause ließen sich die Signale des Körpers jedoch nicht mehr ignorieren, die Botschaft war eindeutig: stopp, bis hierher und nicht weiter.

 

Mit einer roten Karte im Hinrunden-Finish ohnehin zu einer Zwangspause verdonnert, ließ sich Simon Flockerzie gründlich durchchecken. Die Diagnose der Ärzte: Fußbruch, Knorpelbruch und sechs gebrochene Rippen. Insofern dachte man zunächst, dass die Zwangspause zur rechten Zeit kam. Für einen Leistungssportler, der immer dem nächsten Spiel entgegen fiebert, immer maximale Leistung bringen und auch im Studium hervorragende Noten erreichen bzw. im Beruf Höchstleistungen erbringen möchte, dennoch eine Zeit dunkler und schwieriger Stunden und Tage. Völlig ausgepowert und mental geschwächt folgten zwei schwere Grippen.

 

Es kam alles auf einmal zusammen, alle Verletzungen kamen jetzt ans Tageslicht und Simon Flockerzie musste sich eingestehen, dass er „seit Jahren am und über dem Limit gespielt hatte und die Signale seines Körpers alle“ – fatalerweise – „ignoriert bzw. nicht richtig hingehört hatte.“ Zum Pausieren und Nachdenken gezwungen, folgte eine schwere Zeit des Überdenkens und Hinterfragens. So stellte er die eigenen Ansprüche an sich auf den Prüfstand – und wurde sich klar darüber, dass er sie etwas zurück fahren musste, auch um seine großen Ziele dennoch erreichen zu können. So gab er zur aktuellen Saison das Amt des Mannschaftskapitäns an Torhüter Patrick Glatt ab.

 

In dieser schwierigen Zeit hatte er in seinen Eltern, seinen zwei Schwestern und seiner Freundin einen starken Rückhalt: „Die Zeit mit meiner Familie und meiner Freundin hat mir viel Kraft gegeben und enorm geholfen.“ Als es langsam wieder los ging und er in das Training in der Vorbereitung auf die aktuelle Saison einstieg, wusste er, dass er sein Training fortan etwas dosieren und einiges anders machen musste. So sollte er – auch gemäß des Wunsches von Otto Eblen und Cheftrainer Daniel Eblen – langsam an die täglichen Belastungen herangeführt werden und ihm die nötige Zeit zur vollständigen Genesung gegeben werden. Dabei war für ihn jedes einzelne Training enorm wichtig, endlich konnte er wieder bei „seiner“ Mannschaft sein und wieder viel Spaß mit „seinen“ Jungs haben – auch ein großer Rückhalt in seiner Krisensituation. Doch das Zuschauen bei den Spielen war nicht seine Sache, zu emotional war er in seiner Rolle auf der Tribüne. Zum Zuschauen verdammt und keine Möglichkeit seine Emotionen so zu kanalisieren, wie auf dem Spielfeld – eine kaum zu ertragende Situation für einen auch von seiner Emotionalität lebenden Leistungssportler. Zu groß war außerdem die Sehnsucht danach, selbst wieder mitwirken zu können. „Das war kaum auszuhalten, mein Puls bewegt sich da immer in ungesunden Regionen, ich fiebere immer mit und es ist schwer, dann nicht eingreifen und helfen zu können – vor allem wenn es mal wieder sehr eng wird“, sagt er.

 

Als er wieder auf einem guten Weg war, „bei circa 75 Prozent“, wie er selbst sagt, musste er den nächsten Rückschlag verkraften. Die bittere Pille: Bänderriss und wieder mehr als sechs Wochen Zwangspause. Doch noch immer verfolgt er ehrgeizige Ziele, die ihm auch in dieser Situation genügend Motivation gaben, um sich aus dem Tief zu befreien: „Ich möchte hier etwas aufbauen, einen richtigen Hype starten und sehe auch die 2. Bundesliga als großes Ziel. Allerdings werde ich das wohl nicht mehr als Spieler erleben, doch spätestens in vier, fünf Jahren könnte es vielleicht zu schaffen sein.“ Zumindest die Vorbereitung des ganzen Teams lief ehrgeizig und intensiv wie nie ab, denn noch nie wurde solch ein großer Aufwand betrieben, wie in der Vorbereitung auf die aktuelle Saison.

 

In Konstanz fühlt er sich menschlich so wohl, dass er keinen Grund zu einem Wechsel sah. Zudem hat er seine neue Heimat am Bodensee richtig lieb gewonnen. Von der Kulisse, die sich bietet, wenn man über die Schänzlebrücke in die Stadt fährt, den See und gleichzeitig die Berge sieht, ist er jedes Mal aufs Neue beeindruckt. „Ein Wahnsinnsgefühl“, so Simon Flockerzie, der sich mit der Stadt und dem Verein zutiefst identifizieren kann. Und so möchte er „seiner“ HSG durch seine Erfahrung weiterhelfen, die jungen Spieler auf dem Feld führen und als Beispiel – nicht nur in kämpferischer und emotionaler Hinsicht – vorangehen. „Ich denke man kann auch noch ein bisschen von mir lernen“, meint er in seiner stets bescheidenen Art, die ihn so sympathisch macht.

 

Mit dem durch fünf Neuzugänge verstärkten Kader der HSG Konstanz strebt er trotz vorhersehbarer, anfänglicher Abstimmungsprobleme einen vorderen Tabellenplatz an. Die Neuzugänge bezeichnet er als sportliche und menschliche Bereicherung, die erhöhte Breite des Kaders als bitter nötig. So könne sich ein solcher Teufelskreislauf wie insbesondere in der vergangenen Rückrunde nicht mehr wiederholen, als angeschlagene Spieler aufgrund mangelnder Alternativen trotzdem spielen mussten, sich dabei noch mehr verletzten und schließlich komplett ausfielen, und somit der Druck auf andere angeschlagene Spieler zum Einsatz weiter anstieg.

 

Nach der schweren Zeit wirkt Simon Flockerzie deutlich ruhiger und entspannter. Jedoch nicht, ohne nach wie vor ein Beispiel an Ehrgeiz, Einsatz und Engagement zu sein. Wenn er etwas angeht, dann nur mit 100 Prozent Begeisterung, Herzblut, Identifikation und Überzeugung. Es ist ihm wichtig, voll hinter Entscheidungen stehen zu können – und dann mit voller Energie. Doch es wird auch deutlich, dass er sich viele Gedanken gemacht und vieles hinterfragt hat. Wenn man ihm zuhört, dann merkt man sofort, dass er aus seiner Krise und seinem Tief gestärkt heraus gekommen ist. Offensichtlich hat er die richtigen Schlüsse für sich gezogen und wird sich nun die nötige Zeit für sich und die Entwicklung großer Ziele nehmen, mit mehr Bedacht und Rücksicht auf sich selbst handeln. Er hat zweifellos viel dazu gelernt, sich sortiert, wirkt jetzt sehr aufgeräumt – und sprüht vor Tatendrang.

 

Und – in solcher Form gibt es das oftmals nur im Sport – schon jetzt hat seine Krise ein richtiges Happy End bekommen. Die ersten drei Spiele der aktuellen Saison musste er sich noch in Geduld üben und mit der ungeliebten Zuschauerrolle zufrieden geben. Am vierten Spieltag folgte dann gegen Herrenberg das lang ersehnte Comeback. Und nur eine Woche später gelang ihm gegen den Nachwuchs der Rhein Neckar Löwen der erste Treffer nach seiner langen Verletzungspause. Zwischenzeitlich konnte er 21 weitere Treffer erzielen und seiner Mannschaft nach durchwachsenem Saisonstart durch seine Präsenz nach vorne – auf Tuchfühlung zur Spitzengruppe der Liga – helfen. Das junge Team begeistert dabei durch mitreißende Spiele die vielen Zuschauer und lockte bei den vergangenen Heimspielen wieder jeweils über 1.100 Zuschauer in die Schänzlehalle – beim absoluten Highlight Bundesliga-Superball sogar über 1.700.

 

Doch nun muss er sich wieder ein wenig in Geduld üben, denn erneut hat er sich im vorletzten Spiel der HSG drei Rippen gebrochen. Eine Übung, mit der er inzwischen leichter fertig wird als noch vor einem halben Jahr – auch wenn es für seine Ärzte nach wie vor schwer ist, ihn zu bremsen. Simon Flockerzie ist ein beeindruckender Sportler und Mensch mit beeindruckendem Willen. Seine jungen Mitspieler werden noch einiges von ihm lernen können. Auch wie man seine Leibspeise, einen Apfel-Mandelkuchen, richtig genießt. Am liebsten natürlich mit Blick auf die Berge und den Bodensee. In einer ruhigen Minute kann Simon Flockerzie dann auch mal kurzzeitig ein richtiger Genussmensch sein.

 

Dritte Mannschaft fährt zum Derby nach Allensbach
Vor Derby gegen Allensbach-Dettingen: B-Jugend unt...

Ähnliche Beiträge

By accepting you will be accessing a service provided by a third-party external to https://hsgkonstanz.de/

Rothaus

a2r:media

Alexander Heitz

CineStar

Doser

Ingun

Randegger

Schwarz Aussenwerbung

Südstern - Bölle

 

sponsoren aesculap

Böhm Sport Konstanz

club aktiv

sponsoren Engel und Voelkers roll SW

Kempa

Spar- und Bauverein Konstanz eG

Stadtwerke Konstanz

Volksbank Konstanz

 sponsoren sk    

Facebook Twitter Instagram YouTube

Jugendzertifikat 2020

Jugendzertifikat 2018

2HBL

HBL Kampagne
HBL Kampagne

Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Durch Benutzen der Seite stimmen Sie unserer Cookie-Politik und Datenschutzerklärung zu.