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Cheftrainer Daniel Eblen: „Es wird richtig eng zur Sache gehen“

Cheftrainer Daniel Eblen: „Es wird richtig eng zur Sache gehen“

Daniel Eblen ist seit Anfang 2004 Cheftrainer der HSG Konstanz. Vorher hat er bei der HSG sämtliche Jugendmannschaften durchlaufen und spielte schließlich mit der ersten Mannschaft in der 2. Bundesliga, bevor ihn eine schwere Knieverletzung zum endgültigen Rücktritt zwang. Anschließend begann er als Co-Trainer unter Adolf Frombach seine Trainerkarriere. Der 39-jährige gebürtige Konstanzer ist verheiratet, hat einen Sohn und als Sohn von HSG-Präsident Otto Eblen einen Bruder und zwei Schwestern. Als Diplom-Kaufmann und gelernter Steuerfachangestellter arbeitet er in einer Steuerkanzlei. Im Gespräch mit HSG-Pressesprecher Andreas Joas unterhielt sich der A-Lizenzinhaber über die Vorbereitung, die Ziele in der kommenden Saison sowie die Entwicklung der jungen Mannschaft – und auch seine eigene.

 

Dani, der Sommer war kurz. Hast Du Dich etwas erholen können oder hat Dich Dein Sohnemann auf Trab gehalten?

 

(schmunzelt) Der Kleine ist ein sehr munterer Kollege, der uns schon ganz schön auf Trab gehalten hat. Wir waren eine Woche in Italien, doch da hat er uns ganz deutlich zu verstehen gegeben, dass er so gar keine Lust auf langes Autofahren hat. Insofern waren die Hin- und Rückfahrt schon ganz schön anstrengend. Ein Kind ist aber so etwas Schönes, auch wenn es manchmal stressig sein kann, so gibt es Dir doch so unglaublich viel.

 

Dann konntest Du sicher ein wenig Abstand zur letzten Saison gewinnen. Vor dieser sprachst Du damals davon, einen gesicherten Mittelfeldplatz erreichen zu wollen, um mit dem sehr jungen Team in Ruhe weiterarbeiten zu können. Es wurde schließlich ein toller vierter Platz und mit 36 Punkten das zweitbeste Ergebnis seit 2010 in der neuen 3. Liga für die HSG. Kam die positive Entwicklung der Spieler und des Teams schneller als erwartet und der vierte Platz eher unerwartet?

 

Es war wirklich nicht zu erwarten, dass wir bis zum Schluss auf dem vierten Tabellenplatz rangieren würden. Wir haben in der Abwehr wieder richtig gut gespielt und sämtliche Neuzugänge aus dem letzten Sommer haben sich auf Anhieb als echte Stützen des Teams erwiesen. Das war stark und lief tatsächlich alles schneller als gedacht ab. Aber eigentlich hat mich das ganze Team positiv überrascht. In einer erwartet starken 3. Liga, die sich als mindestens genauso stark herausstellte, haben viele eine tolle Entwicklung gemacht.

 

In der Vorbereitung haben viele ganz junge Spieler auch aus dem eigenen Nachwuchs durch tolle Leistungen auf sich aufmerksam gemacht. Zudem kamen viele ebenfalls sehr junge Spieler zur HSG Konstanz, während mit Patrick Glatt und Yannick Schatz zwei erfahrenere Spieler das schon damals im Schnitt nicht einmal 23 Jahre alte Team verlassen haben. Wie läuft die Integration der neuen externen Spieler aber auch der eigenen Nachwuchstalente in das dadurch im Vergleich zur letzten Spielzeit noch einmal verjüngte Team?

 

Kai Mittendorf hat sich ja schon in den letzten Jahren zu einem festen Bestandteil der Mannschaft entwickelt. Alexander Lauber hat die sich ihm bietende Chance in der letzten Saison absolut genutzt, ebenso wie Patrick Muturi, Maximilian Wolf und Benjamin Schweda in der aktuellen Vorbereitung. Auch Felix Krüger hat hier starke Spiele abgeliefert. Man kann jedoch nicht erwarten, dass es immer so läuft wie gegen Lettland, auch wenn die Entwicklung stimmt. Zudem hat Michael Oehler beste Voraussetzungen den Sprung zu schaffen, man muss bei den Rückraumakteuren nur immer etwas Geduld mitbringen, da die Anpassung dort meist etwas länger dauert. Marius Oßwald ist schon sehr nahe an der ersten Mannschaft und kann auch schon kurzfristig einspringen. Für Luis Pfliehinger ist es natürlich auf Linksaußen nicht so einfach, da wir auf dieser Position schon sehr gut und mit einigen Spielern besetzt sind. Im letzten Vorbereitungsspiel hat er uns aber auch positiv überrascht. Für zukünftige Einsätze in der 3. Liga konnten sich alle empfehlen und aufdrängen. Sie müssen nur Geduld bewahren und auf ihre Chance warten – je nachdem, auf welcher Position es gerade Bedarf gibt. Wir dürfen jedoch alle nicht vergessen, dass die meisten aus der Südbadenliga kommen und dass das ein ganz schöner Unterschied zur 3. Liga bedeutet. Es kann viel passieren. Zu hohe Erwartungen helfen dabei nicht, sie benötigen Spielzeit, um sich an das Niveau anpassen und weiterentwickeln zu können. Im spielerischen Bereich war Yannick Schatz bestimmend, Matthias Stocker ist ein ganz anderer Spielertyp, auch hier muss man abwarten und ihm Zeit geben. Wie man letzte Saison schon sehen konnte, geht es manchmal allerdings schneller als gedacht.

 

Das hört sich zurückhaltend aber optimistisch an. Was sind Deine Eindrücke der bis zum Saisonstart insgesamt zehnwöchigen Vorbereitung?

 

Ich bin insgesamt sehr zufrieden mit der Vorbereitung. Die Abwehr hat sich wieder gut entwickelt. Es gibt jedoch immer und überall noch Luft nach oben. Im Großen und Ganzen war unser Niveau in der Vorbereitung schon gut.

 

Die Liste der verfügbaren Spieler wird immer länger, die Halle im Training immer voller. Wie gestaltet Ihr auch die Zusammenarbeit mit dem Südbadenliga-Perspektivteam und der A-Jugend-Bundesliga-Mannschaft?

 

Die A-Jugend trainiert separat, viele Perspektivspieler trainieren regelmäßig bei der ersten Mannschaft mit. Mit 25 Mann ein effizientes Training zu gestalten, das jeden Einzelnen fordert und fördert, ist gar nicht so leicht. Das ist auch für uns im Trainerteam eine neue Situation, für die wir uns ebenfalls weiterentwickeln müssen.

 

                 Daniel Eblen an der Seitenlinie  Daniel Eblen schwört sein Team ein 

 

Meister Coburg ist in die 2. Bundesliga aufgestiegen, Vizemeister Bad Neustadt in die Oststaffel eingruppiert worden. Neu dabei sind Zweitliga-Absteiger SG Leutershausen und die Aufsteiger Nußloch, Neuhausen/Filder und Fürstenfeldbruck. Wie stark ist die 3. Liga Süd in diesem Jahr?

 

In der Spitze ist sie wohl nicht mehr ganz so stark besetzt. Dafür ist es die wohl ausgeglichenste 3. Liga überhaupt. Ich gehe davon aus, dass die Teams zwischen Platz drei und zehn nur ganz wenige Punkte auseinander liegen werden. Es wird richtig eng zur Sache gehen.

 

Wen erwartest Du als Deine Favoriten ganz vorne?

 

Großsachsen hat einen richtig guten Kader, der gefällt mir fast am besten. Heilbronn-Horkheim hat mich positiv überrascht. Es hat beim Turnier in Bönnigheim richtig Spaß gemacht, dieser Mannschaft zuzusehen. Natürlich hat auch die SG Leutershausen ein gutes Team und einen guten Kader und Benjamin Matschke wird beim TV Hochdorf wieder einen guten Job machen.

 

Ihr habt in der vergangen Spielzeit mit vielen jungen Spielern die Zuschauer begeistert und hattet den zweitbesten Zuschauerschnitt mit deutlich über 800 Fans pro Partie. Wie bereits angesprochen: Die beiden Erstplatzierten der letzten Saison sind nicht mehr dabei, die HSG Konstanz war Vierter …

 

… und gerade weil die Liga so ausgeglichen sein wird, ist es schwer, die neue Liga und damit auch uns im Vergleich dazu einzuschätzen. Natürlich wollen wir wieder an die letzte Saison anknüpfen und eine erneute Platzierung unter den besten vier Teams wäre eine schöne Sache. Wir wollen uns mit einem noch jüngeren Team sportlich stabilisieren.

 

Der Saisonauftakt für das junge Team hat es in sich. Zuerst zweimal in Folge auswärts beim Geheimfavoriten TGS Pforzheim, dann in Fürstenfeldbruck und erst am dritten Spieltag am 13. September das erste Heimspiel gegen die Bundesligareserve des HBW Balingen Weilstetten. Wie schwer ist das Auftaktprogramm?

 

Pforzheim hat nach der guten ersten Drittligasaison nach dem Aufstieg sicher viel Euphorie entfachen können, ebenso wie der TuS Fürstenfeldbruck nach dem Aufstieg in diesem Jahr. Für Fürstenfeldbruck wird es zudem das erste Drittligaspiel nach dem Wiederaufstieg überhaupt sein, da ihre erste Partie verschoben wurde. Dann vor eigenem Publikum – das wird keine leichte Aufgabe, wie auch das Spiel gegen Balingen. Eckard Nothdurft kriegt dort immer etwas Vernünftiges hin, egal wie groß der Umbruch auch sein mag. Er hat jedes Mal aufs Neue ein schlagkräftiges Team geformt – warum sollte das dieses Mal anders sein?

 

In der Saison 2012/13 ging es nach einer starken Hinrunde mit dem zweiten Platz am Ende noch nach unten auf Platz sechs. Grund dafür waren viele Verletzungen und ein schmaler Kader. Letzte Saison gab es kaum schlimmere Verletzungen. Liegt das nur am breiten Kader und der dadurch gesunkenen individuellen Belastung für jeden einzelnen Spieler?

 

Verletzungsprophylaxe ist fester Bestandteil des Trainings, doch es spielt auch das Glück bzw. das Pech eine Rolle. In der vorletzten Saison war die Belastung sicher zu groß, auch wenn Knochenverletzungen nicht vorhersehbar sind. Die neuen Spieler und das Südbadenligateam haben uns in der letzten Saison die nötige Breite im Kader verliehen, was sich jetzt noch einmal verstärkt hat. Sie haben allesamt ein gutes Niveau, haben sich herangespielt und sorgen für spürbare Entlastung.

 

Was sind dann die langfristigen Ziele? Ist mit dieser Grundlage in ein paar Jahren sogar mehr möglich?

 

Um dazu etwas sagen zu können, stecke ich viel zu sehr im hier und jetzt, im täglichen Trainingsalltag. Dazu muss man strategisch arbeiten und die Talente von der Jugend über die zweite Mannschaft an den Verein binden und ganz langsam und behutsam an das Niveau heranführen und nach oben bringen. Das ist für mich aber noch weit weg, ich konzentriere mich auf die aktuelle Saison.

 

Das Leben ist zwar kein Wunschkonzert, doch wenn Dir einmal alle Möglichkeiten offen stünden: Was ist Deine Idee von Handball? Wie würde das ideale Spiel der HSG aussehen?

 

Für mich steht die Arbeit in der Defensive im Vordergrund, hier wäre es schön, wenn wir ein zweites Deckungssystem optimal beherrschen würden. Mit einem breiteren Kader können wir mit mehr Power nach vorne agieren, dazu wäre ein kleiner, wendiger und ein großer kräftiger Linkshänder toll. Es ist aber im Gegensatz zur Fußball-Bundesliga, wo ein Trainer eine Philosophie mitbringt und sich danach dementsprechende Spieler zusammenkauft, hier gänzlich anders. Hier habe ich zuerst die Spieler und muss dafür die passende Philosophie entwickeln. Es ist also die genau umgekehrte Ausgangssituation. Ich möchte mit meinem Team so variabel und frech wie möglich im Angriff und mit einer kompakten Defensive spielen und damit immer das Maximale erreichen.

 

                  Ein nachdenklicher Daniel Eblen  Da gehts lang: Daniel Eblen gibt seinen Spielern Anweisungen

 

Ab sofort nehmen die Drittligisten nicht mehr am (südbadischen) Landespokal teil, sondern können sich ausschließlich über die Liga für den DHB-Pokal qualifizieren, sofern man unter den besten sechs Teams abschließt. Dort kann man sich in Vierer-Turnieren auf jeden Fall mit Erst- und Zweitligisten messen.

 

Man muss schauen, wie sich das entwickelt. Der südbadische Pokal war für uns mit unserer absoluten Randlage ein großer Aufwand, die Neuerung hört sich somit interessant an. Aber auch das ist noch weit weg. Es ist jedoch vernünftig, im Pokal andere Wege zu gehen als bisher.

 

Die 3. Liga bekommt zur neuen Saison ein eigenes wöchentliches Web-TV-Magazin für jede Drittliga-Staffel. Hast Du den Eindruck, dass sich die Liga immer weiter professionalisiert?

 

Jeder Verein versucht, so professionell wie möglich zu arbeiten. Es gibt überall unterschiedliche Strukturen, bei manchen gibt es hautamtliche Trainer, bei anderen nicht. Insgesamt hat die Liga ein richtig starkes Niveau, das für mich gefühlt jedes Jahr noch etwas stärker wird. Es kann sein, dass mir das auch nur so vorkommt, weil es schwer ist, das richtig einzuschätzen, wenn man selbst jedes Jahr mitten drinsteckt. Das müsste besser ein Fachmann von außen neutral beurteilen. Es ist aber auch klar, dass man sich nur durch zusätzliches Marketing behaupten und die Zuschauer in die Halle locken und binden kann. Es wird immer mal wieder überall etwas angestoßen, doch das hängt maßgeblich an den handelnden Personen. Letztlich ist aber meist vor allem die sportliche Situation ausschlaggebend für die Entwicklung der Zuschauerzahlen und des Drumherum.

 

Du bist über die Jahre als Trainer immer ruhiger geworden. Wie würdest Du Deine eigene Entwicklung skizzieren?

 

Die eigene Entwicklung geht immer weiter. Jedes Jahr macht man sich neue Gedanken, sucht nach neuen Ideen und nach Ansätzen, die man so noch nicht hatte. Früher war ich tatsächlich sehr impulsiv und habe auch den Druck stärker wahrgenommen. Mit dem Alter lernt man auch eine gewisse Ruhe und Gelassenheit zu bewahren. (schmunzelt) Das muss man sich erarbeiten und fällt mir auch heute immer noch schwer. Ich brauche meistens ein Ventil, um wieder klar denken zu können, denn man darf sich von seiner Impulsivität und seinen Emotionen nicht ablenken lassen. Bei meiner persönlichen Entwicklung hat es eine große Rolle gespielt, dass ich meine Frau kennengelernt habe und mein privates Umfeld immer stabiler geworden ist. Die Familie mit meinem Sohn hilft da sehr. Wenn man dort Verständnis und Anerkennung findet, ist das ein ganz wichtiger Rückhalt, der hilft, sich zu erholen und sich persönlich weiterzuentwickeln.

 

Wie hat Dir als Trainer in Deiner persönlichen Entwicklung der Erwerb der A-Lizenz dabei helfen können?

 

Da habe ich wirklich viel gelernt. Wenn man einem drei-, vierstündigen Vortrag von einer besonderen Persönlichkeit wie Alfred Gislason (Trainer des Serienmeisters THW Kiel, d. Red) zuhört, wenn er über Druck und den richtigen Umgang damit spricht, dann nimmt man richtig viel mit.

 

Spürst Du in Konstanz auch eine große Teilnahme der Bürger an der Entwicklung der HSG?

 

Klar, ich werde in der Stadt immer wieder auf die aktuellen Geschehnisse angesprochen. Man kommt sehr nett ins Gespräch und merkt, dass die Leute unseren Weg mit Interesse verfolgen. Dabei hat jeder seine Meinung und manchmal wird auch kontrovers diskutiert. In letzter Zeit habe ich so viel zu tun, dass ich mittlerweile leider weniger mitbekomme, was in der Stadt über die HSG gesprochen wird.

 

Fragen: Andreas Joas

 

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