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Vom Leistungshandball in der 2. Bundesliga zum Kinderhandball der E-Jugend – Perspektivwechsel eines Trainers

Vom Leistungshandball in der 2. Bundesliga zum Kinderhandball der E-Jugend – Perspektivwechsel eines Trainers
Der Schritt vom leistungsorientierten Handball der 2. Bundesliga in den Kinderhandball der E-Jugend wirkt auf den ersten Blick wie ein Abstieg – sportlich, organisatorisch und auch emotional. Doch bei genauerem Hinsehen eröffnet sich eine völlig neue, anspruchsvolle und zugleich bereichernde Welt des Trainerdaseins.
Unterschiedliche Welten – gleiche Leidenschaft
Im Leistungshandball stehen Ergebnisse, taktische Disziplin und physische Leistungsfähigkeit im Vordergrund. Trainingseinheiten sind detailliert geplant, Videoanalysen gehören zum Alltag, und jedes Spiel hat unmittelbare Konsequenzen für Tabellenplatz und Vereinsstruktur.
Im Kinderhandball hingegen verschieben sich die Prioritäten grundlegend. Hier geht es nicht um Punkte oder Aufstieg, sondern um Entwicklung, Begeisterung und langfristige Bindung an den Sport. Die Frage lautet nicht mehr: Wie gewinnen wir das nächste Spiel?, sondern: Wie schaffen wir es, dass die Kinder gerne wieder ins Training kommen?
Die größte Herausforderung: Einfachheit
Als Trainer im Profibereich ist man es gewohnt, komplexe taktische Konzepte zu vermitteln. In der D-Jugend funktioniert das nicht. Inhalte müssen radikal vereinfacht werden – ohne dabei ihre Qualität zu verlieren.
Das bedeutet:
• Technik vor Taktik
• Spielen vor Üben
• Spaß vor Ergebnis
Plötzlich wird eine saubere Wurfbewegung wichtiger als ein ausgeklügeltes Angriffssystem. Koordination ersetzt Krafttraining, und kleine Spielformen lösen starre Übungsreihen ab.
Kommunikation auf Augenhöhe
Ein weiterer zentraler Unterschied liegt in der Ansprache. Während im Leistungssport klare, direkte Kommunikation gefragt ist, braucht es im Kinderhandball Geduld, Empathie und oft auch Kreativität.
Kinder lernen nicht durch Druck, sondern durch positive Erlebnisse. Lob, Motivation und das richtige Maß an Herausforderung sind entscheidend. Als Trainer wird man mehr zum Pädagogen als zum Taktiker.
Erfolg neu definieren
Der Begriff „Erfolg“ verändert sich fundamental. In der 2. Bundesliga wird Erfolg in Punkten, Platzierungen und Leistungskennzahlen gemessen. In der D-Jugend zeigt er sich ganz anders:
• Ein Kind traut sich erstmals einen Sprungwurf zu
• Die Mannschaft spielt zum ersten Mal als Team zusammen
• Spieler kommen freiwillig früher zum Training
Diese kleinen Fortschritte haben oft eine größere nachhaltige Wirkung als jeder Sieg im Profibereich.
Was bleibt aus dem Leistungssport?
Trotz aller Unterschiede lassen sich viele Elemente übertragen:
• Strukturierte Trainingsplanung
• Klare Zielsetzungen (angepasst an das Alter)
• Technisch saubere Ausbildung
• Verlässlichkeit und Vorbildfunktion
Gerade die professionelle Herangehensweise kann im Kinderhandball einen großen Mehrwert bieten – sofern sie altersgerecht umgesetzt wird.
Persönliche Erkenntnis
Der Wechsel in den Kinderhandball ist kein Rückschritt, sondern ein Perspektivwechsel. Er zwingt dazu, das eigene Trainerverständnis zu hinterfragen und neu zu definieren.
Wer sich darauf einlässt, erkennt schnell: Die Basis des Erfolgs im Leistungshandball wird genau hier gelegt – in der E-Jugend. Technik, Spielverständnis und vor allem die Liebe zum Handball entstehen in diesen frühen Jahren.
Fazit
Vom Leistungshandball in der 2. Bundesliga in den Kinderhandball zu wechseln bedeutet, sich von Ergebnissen zu lösen und Entwicklung in den Mittelpunkt zu stellen. Es ist eine Herausforderung, die Geduld, Flexibilität und ein neues Selbstverständnis erfordert – aber auch eine Chance, den Sport an seiner Wurzel mitzugestalten.
Denn am Ende entscheidet nicht die Tabelle der 2. Bundesliga über die Zukunft des Handballs, sondern die Begeisterung der Kinder in der E-Jugend.

Hallo lieber Leser,
diesen ausführlichen und dem Lehrbuch entsprechenden Text hat mir eine KI ausgespuckt (zum Thema Perspektivwechsel Herrenhandball zur E-Jugend). Aber wie war das bei mir tatsächlich? Hätte ich das vielleicht vorher bis ins Detail überdenken und planen sollen oder war es genau richtig mit einer @rschbombe ins kalte Kinderhandball-Wasser zu springen?
Ich war nach 18 Jahren Leistungshandball zugegebenermaßen müde und kaputt. Natürlich gab es tolle Zeiten, in denen es darum ging, die Mannschaft und auch einzelne Spieler zu entwickeln, etwas zu vermitteln!
Irgendwann – im Kampf um den Klassenerhalt in der 2. Liga oder auch um den Wiederaufstieg in die 2. Liga – ist das Thema „Entwicklung“ völlig in den Hintergrund getreten und es ging nur noch ums „Gewinnen“! Gewinnen – gut; Verlieren – schlecht! Der Hinweis auf erreichte Entwicklungen wurde nur noch als Entschuldigung/Ausrede für ein verlorenes Spiel interpretiert.
Nach meinem Rücktritt als Trainer der 1. Mannschaft habe ich mich bewusst dazu entschieden, mich im Jugendbereich einzusetzen und unseren Jugendtrainern als Ratgeber zur Seite zu stehen. Außerdem wollte ich aktiv bei den ganz kleinen „einsteigen“. Nicht als Coach bei den Spielen, sondern als Trainer für Mannschafts-, Einzel- und Fördertraining. Die Trainingsinhalte wurden jeweils mit den zuständigen Coaches abgestimmt.
Wir sind die Aufgabe aber nicht angegangen wie von vielen Kinderhandballexperten und von der KI „vorgeschlagen“ (siehe oben). Ich im Besonderen wollte umgehend Themen angehen, die ich bei den Großen als mangelhaft ausgebildet wahrgenommen habe (Schlagwürfe, unterschiedliche Körpertäuschungen). Wir haben zu Beginn mit den Kindern viel geübt, technische Feinheiten besprochen und bearbeitet.
Die Kinder hatten viel Spaß und waren immer zahlreich und zuverlässig in der Halle. Mir ist jedoch aufgefallen, dass die Kinder nach dem Training (in der Halle oder auch davor) weiter gespielt haben. Ich habe mir das angeschaut. Das ging teilweise noch 2 Stunden nach dem Training so!
Oh! Eine tolle (zufällige, ungeplante) Ergänzung! Das zuvor geübte wird im Spiel angewandt!
Es wurde Winter und (nach der Corona-Krise) sind die Hallenzeiten wieder sehr, sehr knapp geworden. Das Spiel nach dem Training wurde immer weniger und die Kinder sind mit hängenden Köpfen nach dem Training nach Hause. Das war auch für mich enttäuschend!
Kein Schweiß, kein Toben, nichtmal ein errötetes Gesicht bei den Kindern! Und so habe ich die Spieler nach Hause entlassen. Das war keine gute Arbeit meinerseits.
Meine Überlegung: Wie habe ich die Spieler in der 2. Liga-Mannschaft müde bekommen? Tempo-Spiel und vor allem: SPIELEN!!!
Wir haben angefangen bei den Kindern mit Tiki-Taka-Spielen (Freilaufen-Fangen-Passen-neues Freilaufen) und haben viele Konter-Spiele initiiert.
Die Kinder haben dann des Öfteren Trinkpausen gefordert. Außerdem haben wir kurze Übungen „eingestreut“, um die Belastung zu kontrollieren. Auch die „Kasper“ in der Mannschaft waren dermaßen mit „spielen und trainieren“ beschäftigt, dass es kaum noch zu Störungen kam und die Stimmung in der Halle war ähnlich einer „disziplinierten Party“.
Die Kinder saßen nach den Einheiten beisammen, haben Wasser getrunken und sich unterhalten; wollten Tipps und Feedback von den Übungsleitern. Ausgepowert und ausgetobt!!
Ok, Fortschritt erreicht. Dann lasst uns das auf die Spitze treiben: Wir haben dann mit kleinen taktischen Vorgaben (die die Kinder nicht als solche empfunden haben) diese Intensität auf das ganz Spielfeld verteilt (Ballgewinne suchen, Spielfeld überbrücken, etc.).
Die entwickelte „Intensität“ hatte nicht nur zur Folge, dass viel und schnell gerannt wurde. Es kam zu Beginn zu viel mehr „kritischen“ Situationen (Fehlerquellen). Entscheidungen wurden in vollem Lauf getroffen und die Pässe waren unter Zeitdruck und auch auf größere Entfernungen zu spielen. Die Entscheidungsfähigkeiten, die Passqualität, die Auffassungsgabe und das schnelle Umschalten im Kopf, die räumliche Wahrnehmung haben sich unglaublich schnell entwickelt.
Was aber noch viel erstaunlicher war: die Kinder haben viel aktiver und ballbezogener verteidigt. Jedes Team wollte unbedingt den Ballbesitz, denn jedes Kind wollte das machen, was ins Blut übergegangen ist. „Jeder spielt aktiv mit. Kein Spieler schaut nur zu. Jeder sucht aktiv und mutig die Entscheidungen.“ Ständig ist irgendetwas passiert und auch beim Spielstand von 52:18 wurde um jede Situation „gespielt“.
Ich habe schon viele Kinderhandballspiele gesehen. Es war immer lustig, wenn man die Bank beobachtet hat. 2 Kinder fordern beim Trainer ständig die Einwechslung und die anderen „Auswechsel-Kinder“ spielen „schnick-Schnack-schnuck“ auf der äußeren Bankseite. 40 Minuten Spielzeit mit 12 Kindern und dann der klassische Handball mit viel gehen und stehen. Das ist zu wenig für Kinder, die gefühlt unendlich Energie in sich haben.
Bei den „intensiv trainierten und intensiv spielenden“ Kindern sah das anders aus. Spannung auf der Bank (ständig passiert etwas), Kinder fordern keine Einsatzzeit, sondern teilweise sogar eine Spiel-Pause. Natürlich sind nie alle Kinder zufrieden mit ihren Einsatzzeiten etc. aber ich habe eher ein Miteinander und weniger Konkurrenzsituationen beobachtet.
Diesen Intensiv-Ansatz haben wir mit den Kindern über 2 Jahre verfolgt. Im Finale um die Bezirks-Oberlig-Meisterschaft gegen eine starke Balinger Mannschaft gewinnen die Kinder mit 40:31 in 40 Minuten; mit einem weiteren absolvierten Spiel (Halbfinale) am Vormittag. Auf 60 Minuten (Spielzeit aktive Herren) hochgerechnet sind das 60 Tore pro Spiel. Intensität also auch als Erfolgsfaktor.
Am Ende dieser Saison hat eine dieser Mannschaften den 3. Platz in ganz Baden-Württemberg erreicht (hinter JANO und den Rhein-Neckar-Löwen).
In der Nachbetrachtung: War die @rschbombe die richtige Vorgehensweise? Oder hätte man geschickter auf Nachfrage bei der KI oder bei Experten handeln sollen?
Ich habe über die Zeit und die Arbeit mit Kindern wieder den Spaß an unserem Sport gefunden. Außerdem will ich wieder so sein, wie ich es von den Kindern fordere. Sei beweglich (nicht Schema F), hab Mut (mache Fehler und werde besser) und versuche die Zeit wieder intensiv zu erleben.
Vielen Dank an die vielen Kinder und an alle Trainer-Kollegen. Ich freue mich auf was da kommen mag!
Mein Fazit: Das Training in diesem Alter sollte tatsächlich größtenteils aus „spielen“ bestehen. Aber nicht nur „spielen um des Spielens Willen“, sondern auch spielen um die Intensität unseres tollen Sports zu vermitteln!
Lasst die Kinder spielen. Nehmt euch als Trainer aber nicht zurück. Fordert Bewegung, schnelle Entscheidungen, „Ballhunger“, „Tiki-Taka“, zielgerichtetes Handeln, Erfolgshunger….
Lasst die Kinder beim Spielen nicht allein! Die Trainingszeiten mit euch Trainern sind zu kostbar!

Dani Eblen

PS: nicht falsch verstehen: das Spielen außerhalb des Trainings ist soo wichtig. Unsere und Euere „Hallenkinder“ macht so oder so niemand müde! Die Richtungen, die wir im Training einschlagen, verfolgen die Kinder auch im Spiel außerhalb der Trainingszeit.

Autor

Pressesprecher

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