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Patrick Glatt vor zweitem Abschied: „Die HSG Konstanz hat sich überragend entwickelt“

Patrick-Glatt-HSG-Konstanz-Neuhausen

Monster-Parade eines freien Wurfes, Sieg gesichert und mit dem Treffer zum 27:24-Endstand beim Erfolg gegen Neuhausen den krönenden Schlusspunkt gesetzt: Patrick Glatt konnte beim Rücktritt vom Rücktritt nochmals richtig überzeugen. Nun soll bald endgültig Schluss sein.

 

Ein bisschen ist es bei Patrick Glatt wie mit einem guten Wein. Nicht jeder Wein, aber eben viele richtig gute Tropfen werden mit ein paar weiteren Jahren Lagerung immer besser. Beim Schlussmann der HSG Konstanz tun sich erstaunliche Parallelen auf. Vor allem zwei Jahre weitere „Reifung“ in der Schweiz, beim HSC Kreuzlingen, schadeten dem Torwart nicht – im Gegenteil. Nachdem er zwischen 2005 und 2014 eine Ära im Kasten der HSG prägte, am Ende auch Kapitän der Gelb-Blauen war, und HSG-Präsident Otto Eblen nach der schweren Verletzung von Stefan Hanemann bei ihm anklopfte, musste Glatt nicht lange überlegen. Sieben Monate überzeugte er anschließend ohne jede Eingewöhnungsphase im Kasten der HSG, bis Junioren-Nationaltorwart Stefan Hanemann sein Comeback feiern konnte.

 

Beim letzten Spiel am 10. Juni verabschiedet der mittlerweile 32-Jährige sich ebenso wie Matthias Stocker und Simon Flockerzie in den Handball-Ruhestand – dieses Mal endgültig, wie er versichert. Mit einem kleinen Hintertürchen, denn dass man sich in ein paar Jahren wiedersieht hält er für nicht ausgeschlossen. Das zeigt allein schon sein zweites Engagement im HSG-Trikot. Denn eigentlich wollte er nach seinen zwei Jahren bei den Eidgenossen schon aufhören mit dem Handball. Mit einem anspruchsvollen Job als stellvertretender Leiter des Konstanzer Sportamtes und einer kleinen Familie kein Wunder. Aber, so Glatt, die HSG Konstanz sei nach nun zehn Jahren als deren Torhüter eine „große Herzensangelegenheit.“ Glatt ist dankbar und wollte etwas zurückgeben, als der HSG-Präsident in der Not, in der Vorbereitung auf die aktuelle Zweitliga-Saison nur noch über einen Torwart zu  verfügen, auf ihn zukam.

 

„Ich hätte nirgendwo anders Studium und hochklassigen Handball so gut verbinden können wie hier“, sagt er dankbar. „Dazu habe ich hier sehr gute Freunde kennengelernt – Handball und die HSG war ein großer Teil meines Lebens – da musste ich nicht lange überlegen, um zu helfen.“ Diese Mission gelang ihm eindrucksvoll. Immer, wenn er gebraucht wurde, war der gebürtige Offenburger zur Stelle. 30 Mal wurde er eingesetzt, dabei kam er auf 65 Paraden und 30 Prozent gehaltene Würfe – und als einziger HSG-Keeper auf ein Tor gegen Neuhausen, als er zuerst mit einer Monster-Parade eines freien Wurfs aus kürzester Distanz den eminent wichtigen Sieg sicherstellte und dann auch noch selbst den Schlusspunkt zum 27:24-Erfolg über das ganze Spielfeld hinweg setzte.

 

„Ich hätte nicht gedacht, dass ich noch einmal in der 2. Bundesliga spiele“, so der 1,94 Meter große Torhüter. „Umso schöner war die Zeit mit diesen talentierten Jungs.“ Diese Zeit, sie wird ihm in guter Erinnerung bleiben, als krönender Abschluss einer Karriere, die mit der deutschen A-Jugend-Vizemeisterschaft 2002 bereits mit einem Highlight begonnen hatte. Und nun – voraussichtlich – mit einem weiteren enden wird: dem Klassenerhalt in der eingleisigen, als stärkste zweite Liga der Welt geltenden 2. Handball-Bundesliga. Dennoch sind die Gedanken an den 10. Juni und seinen letzten Auftritt als Spieler nun wesentlich entspannter als vor seinem ersten Abschied. „Damals war es sicher schlimmer, da hing viel dran“, sagt Glatt. „Hier kam es eher unerwartet, nun war das Ende ja von Anfang an absehbar und ich konnte mich anders darauf einstellen.“ Speziell sei der Abschied von seinem geliebten Sport aber dennoch, das gesteht er unumwunden ein. „Aber es ist doch schön, zusammen mit zwei anderen Alten zu gehen und den Jungen das Feld zu überlassen.“

 

Für seinen Einsatz erhält er auch höchste Anerkennung von Andre Melchert, dem Sportlichen Leiter der HSG Konstanz: „Rossi war uns eine große Hilfe und immer zur Stelle, als es darauf ankam. Wir sind froh, dass er uns sofort in der Not unterstützt hat, denn auch körperlich war er in Topform. Wir sind ihm sehr dankbar für seinen Einsatz, trotz seiner beruflichen Verpflichtungen.“ Vor allem diese sind nun auch der Grund, warum er sich zunächst etwas Abstand vom Handball wünscht. Glatt: „Die Arbeit beansprucht sehr, deshalb bleibt wenig Zeit für anderes. Wer mich kennt, der weiß, dass ich die Dinge bestmöglich und richtig machen möchte.“ Dafür hat er viel getan, sich insbesondere an den Wochenenden in selbstständigen Einheiten gequält. Glatt: „Ich musste deutlich mehr tun als früher.“

 

Nun wird er sich anderen, ganz neuen Sportarten und vor allem der Familie widmen. „Beine hochlegen wird sowieso nicht sein“, lacht er. „Da wird mich alleine meine Partnerin auf Trab halten.“ Sogar der Laufsport steht auf seiner Liste. Vor einigen Jahren eigentlich noch undenkbar, sodass er nun mit einem Schmunzeln aufklärt: „Das ist eine Hassliebe. Ich habe eigentlich eine gute Grundausdauer – aber ich bin definitiv kein Sprinter.“ Außerdem ist er keiner, der sich beklagt – beziehungsweise keiner, der sich beklagen darf, denn die Vorgabe seiner Partnerin war unmissverständlich: „Du entscheidest, ich stehe hinter dir. Aber ich möchte dann keine Beschwerden hören.“ Der 32-Jährige grinst: „Das war ein entscheidender Faktor, das hat mich auch durch die Saison getragen.“

 

Beim Blick zurück ist er zufrieden und mit sich im Reinen, auch mit dem Wechsel vom TuS Schutterwald aus der beschaulichen Ortenau in die Universitätsstadt am Bodensee: „Den Schritt weg aus dem Dorf habe ich nie bereut. Das war eine der besten Entscheidungen, die ich jemals getroffen habe.“ Deshalb war der erste Abschied aus Konstanz so hart – aber auch lehrreich, wie der Verwaltungsangestellte versichert. „Ich habe in der Schweiz gelernt, mit Niederlagen entspannter umzugehen.“ Gerade im zweiten Jahr, als der HSC aus der zweitklassigen Nationalliga B absteigen musste, habe er gelernt, bei mehreren Niederlagen am Stück Ruhe zu bewahren. Nun ist er sich sicher, dass er sich mit einem weiteren Highlight endgültig von der großen Handball-Bühne verabschieden kann: dem Klassenerhalt in der 2. Bundesliga. „Es könnte so doch nicht schöner gehen“, erzählt er glücklich und fügt hinzu: „Ich hoffe, ich konnte meinen Teil dazu beitragen.“

 

Am Samstag, 20 Uhr, steht für die HSG Konstanz das vorletzte Spiel der Saison auf dem Programm. Auswärtsspiel beim TV Neuhausen. Die Ausgangslage ist klar: Ein Sieg und die Sektkorken können knallen, dann gehört die HSG auch in der kommenden Spielzeit dem Bundesliga-Unterhaus an. Aber auch bei Patzern der Konkurrenz könnte es bereits soweit sein. Patrick Glatt wird dann einer von über 100 mitgereisten Konstanzer Zuschauern auf der Tribüne sein. „Mein Bauchgefühl sagt mir, dass wir schon hier die nötigen Punkte holen werden, auch wenn Neuhausen zuletzt sehr gute Ergebnisse erzielt hat und sich nach einer langen Ära in der 1. und 2. Bundesliga gut verabschieden möchte.“

 

Zuletzt hebt er die Entwicklung der HSG Konstanz in den vergangenen Jahren hervor: „Die Heimspiele sind riesen Ereignisse und das, was hier entstanden ist, wirklich beeindruckend. Der Verein hat sich überragend entwickelt. Dazu kommt eine funktionierende Mannschaft, die gut mit Rückschlägen umgehen kann.“ Gerade dann sei es wichtig, dass intern alles stimmt. Vor allem dank der prägenden Köpfe Otto – dem Herz des Vereins, so Glatt – und Daniel Eblen, Dr. Thomas Binninger und Andre Melchert sowie der Einbindung neuer Mitarbeiter sei eine Breite entstanden, die den Keeper beeindruckt.

 

Dazu die Kooperationen mit beiden Konstanzer Hochschulen und Fans in ganz Süddeutschland. „Man merkt es in der Stadt, wie oft man angesprochen wird oder sogar meine Freundin bei der Arbeit in Tuttlingen, die nach den Spielen gefragt wird. Die Außenwirkung ist schon immens und die Fans kommen mittlerweile aus einem großen Umkreis.“ Sein Wunsch: Die HSG Konstanz möge sich in der 2. Bundesliga stabilisieren und etablieren. Und einen ganz persönlichen schiebt er mit einem breiten Grinsen im Gesicht zum Schluss noch nach: „Ich muss noch mit Dani verhandeln, aber eine Minute im letzten Spiel aufzulaufen wäre einfach toll.“ Bei ganz besonderen Momenten lässt sich ein guter, gereifter Wein schließlich am besten genießen.

Matchball im Derby: HSG Konstanz kann in Neuhausen...
Alles zum Spiel gegen den TV Neuhausen

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