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Daniel Eblen: "Wir wollen ganzheitlich ausbilden"

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Die HSG Konstanz hat sich im Kampf um den Klassenerhalt in der 2. Handball-Bundesliga zurück gemeldet. Das am südlichsten gelegene Team im deutschen Profi-Handball belegt derzeit Platz 16 – mit hauchdünnen fünf Toren Vorsprung auf die rote Zone. Auf den Abstiegskampf waren in Konstanz in der zweiten Saison in der 2. Liga alle von Vornherein eingestellt. Die „HSG-Familie“ um den langjährigen Cheftrainer Daniel Eblen hält also auch in sportlich rauen Zeiten zusammen – und ihre Klub-Philosophie hoch: Die Menschlichkeit soll bei allem Erfolgsstreben nie verloren gehen.

 

Konstanz-Urgestein Eblen erklärt im Interview mit der Handball-Bundesliga (HBL), was es mit dem Verständnis als ganzheitlicher Ausbildungsverein auf sich hat und wie das Verhältnis zum kommenden Derbygegner HBW Balingen-Weilstetten aussieht.

 

Herr Eblen, der Saisonstart für die HSG Konstanz lief recht enttäuschend, nur ein Sieg aus den ersten neun Spielen. Doch am vergangenen Spieltag dann der Paukenschlag: Eine 38:29-Heim-Gala gegen Wilhelmshaven ließ Konstanz von den Abstiegsrängen springen. Ein richtiger Befreiungsschlag?

Daniel Eblen: Das kann man so sagen. Wir hatten noch kein Spiel, seit wir wieder in der zweiten Liga sind, das wir so deutlich gewonnen haben. Gerade, weil die Ergebnisse in dieser Saison noch gefehlt haben, war das schon etwas Besonderes. Wir haben zwar gute Spiele gemacht, aber Punkte sind dabei noch nicht viele heraus gesprungen. Umso aufregender war die letzte Partie, in der wir uns für ein gutes Spiel endlich auch endlich belohnt haben.

 

Dennoch bahnt sich, wie im Vorjahr, ein Kampf um den Klassenerhalt bis zum letzten Spieltag an. Ist es im zweiten Jahr in der 2. Handball-Bundesliga sogar noch schwieriger, dieses große Ziel zu erreichen?

Eblen: Letztes Jahr hatten wir den Vorteil, dass wir eine doppelte so lange Vorbereitungszeit wie die Konkurrenz hatten, weil die dritte Liga viel früher aufgehört hat. Dazu mussten wir keine Abgänge verkraften. Wir hatten also neun Wochen Vorbereitung mit einer eingespielten Mannschaft. Das war Gold wert. Diese Vorteile sind in diesem Jahr aus geblieben. Wir haben einige wichtige Stützen aus der Mannschaft verloren, mussten junge neue Leute heran führen. Dass die zweite Saison in dieser starken 2. Handball-Bundesliga unter diesen Voraussetzungen eine große Herausforderung wird, war uns klar.

 

Der Saisonstart hat Sie also nicht nervös gemacht?

Eblen: Man muss bedenken, dass so gut wie alle unsere Spieler mit dem Verein in die 2. Liga hinein gewachsen sind. Wir haben nicht den einen erfahrenen Spitzenspieler, der Spiele auf diesem Niveau schon entschieden hat. Deswegen sind wir auf unsere mannschaftliche Geschlossenheit angewiesen.  Außerdem hatten wir auch wieder einen Umbruch in unserer jungen Mannschaft. Das braucht alles seine Zeit.

 

Ist es eine Grundsatzentscheidung, zum Beispiel auf einen solchen Königstransfer, der Spiele auch im Alleingang entscheiden könnte, zu verzichten?

Eblen: Das entspräche nicht unserer Philosophie. Alleine aufgrund des geringeren Etats sind wir dazu gezwungen unkonventionelle Wege zu gehen – sportlich, wie auch organisatorisch. Wir verstehen uns als Ausbildungsverein, aber nicht auf die typische Weise, dass die Spieler in Konstanz nur ihr sportliches Werkzeug erlernen, um dieses dann später bei einem anderen Klub einzusetzen. Wir wollen ganzheitlich ausbilden: Wir stehen in engem Austausch mit der Universität, der Fachhochschule und vielen Ausbildungsbetrieben, damit wir die Spieler aus dem Handball in den späteren Beruf begleiten können.

 

Sie unterstützen Ihre Spieler aktiv bei der Planung der Karriere nach der sportlichen Karriere?

Eblen: Ja, wir unterstützen die Spieler voll und ganz auf ihrem Weg zum erfolgreichen Abschluss. Das führt unter Umständen auch einmal zu Härtefällen: Beim Auswärtsspiel in Emsdetten ist zum Beispiel Sebastian Bösing zu Hause geblieben, weil er eine wichtige Klausur an der Universität schreiben musste. Das Spiel haben wir knapp verloren, aber das nehmen wir im Zweifel in Kauf. Die berufliche Ausbildung unserer Spieler ist für uns eben elementar. Und auch wenn es danach um den Berufseinstieg geht, versuchen wir, unser Netzwerk zu nutzen und lassen die Jungs nicht alleine.

 

Bei diesem strikten Verständnis als Ausbildungsverein überrascht es nicht, dass kein Spieler in Ihrem Kader älter als 30 Jahre ist. Welche Vor- und welche Nachteile bringt ein so niedriger Altersdurchschnitt in der täglichen Arbeit mit sich?

Eblen: Man muss schon sagen, dass die Jungs unglaublich begeisterungsfähig sind. Das führt zu einem starken Teamgeist, der uns unglaublich weiterhilft. Auf der anderen Seite fehlt aber vielleicht ein bisschen die Erfahrung, mit Drucksituationen umzugehen. Eine gewisse öffentliche Erwartungshaltung gehört in der 2. Liga aber einfach dazu, auch wenn wir selbst eher mit der Auffassung an die Arbeit gehen, dass wir nichts zu verlieren haben.

 

Sie selbst haben quasi eine lebenslange Verbundenheit zum Handball in Konstanz. Erläutern Sie kurz Ihren Werdegang.

Eblen: Ich habe mit sechs Jahren bei der damaligen DJK Konstanz mit dem Handball angefangen. Nach einer Fusion mit der TV Konstanz wurde dann Anfang der 80er Jahre die HSG Konstanz daraus, wo ich alle Jugendmannschaften durchlaufen habe, bis ich mir in der A-Jugend das Kreuzband gerissen habe. Die Reha verlief damals sehr schleppend. Trotzdem konnte ich im aktiven Bereich später in der Regionalliga und auch in der 2. Liga auflaufen. Die Knie-Probleme ließen mich aber nie mehr los, weshalb ich dann den Posten als Co-Trainer übernahm und 2004 mit 30 Jahren ziemlich überraschend Cheftrainer wurde.

 

Von klein auf im Verein, seit 13 Jahren hauptverantwortlich für die erste Mannschaft – Sie sind eine wahre Identifikationsfigur in Konstanz.

Eblen: Das kann man wahrscheinlich so sagen. Meine ganze Familie und ich leben Handball und die HSG Konstanz einfach. Mein dreijähriger Sohn hat jetzt auch schon die ersten Trainings hinter sich. Diese Verbundenheit macht meinen Job schon sehr speziell. Vielleicht geht es mir manchmal sogar zu sehr an die Nieren, wenn es einmal nicht so gut läuft, weil es einfach eine Herzensangelegenheit für mich ist. Auf der anderen Seite macht es aber auch unglaublich Spaß und es ist schön, wenn einen die Familie versteht und man mit allen über Handballthemen reden kann.

 

Abschließend ein kurzer Blick voraus: Der nächste Gegner ist der HBW Balingen-Weilstetten mit seinem neuen Trainer Jens Bürkle. Ein richtiges Derby?

Eblen: Was die örtliche Nähe angeht schon, eine allzu große Rivalität gibt es zwischen unseren beiden Vereinen aber eher nicht. Zum einen, weil wir schon lange nicht mehr gegeneinander gespielt haben. 2004 gab es das letzte Duell zwischen den beiden ersten Mannschaften, danach sind wir immer auf die Balinger Reserve getroffen. Es jetzt auf einmal wieder mit der ersten Mannschaft zu tun zu bekommen, ist für uns schon etwas Besonderes. Die zweifelhafte Ehre, jetzt auch noch Balingens erster Gegner nach dem Trainerwechsel zu sein, spielt uns dabei wahrscheinlich eher nicht in die Karten (lacht). Zum anderen war es für uns immer sehr wichtig, dass Balingen in der ersten Liga die Fahne für unseren Sport in der Region hoch gehalten hat. Und es gibt viele Überschneidungen zwischen den beiden Klubs: Ich habe beim früheren HBW-Trainer Dr. Rolf Brack hospitiert, wir haben einige Spieler im Kader, die in Balingen groß geworden sind. Ich glaube wir schätzen uns gegenseitig viel mehr, als dass großer Neid oder Rivalität herrschen würde.

 

>> Mehr zum Konstanzer Weg und den Kooperationen mit Universität und Fachhochschule


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